Abdominale Hysterektomie

(Gebärmutterentfernung mittels Bauchschnitt)

a. Definition

Eine abdominale Hysterektomie (eine Gebärmutterentfernung mittels Bauchschnitt) ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem die Gebärmutter mittels Bauchschnitt im Bereich des Unterbauches entfernt wird. Eine oder beide Eierstöcke sowie die Eileiter können auch während des selben Eingriffes entfernt werden.

b. Weibliche Anatomie

Die Gebärmutter ist ein birnenförmiges muskuläres Hohlorgan im Unterbauch bzw. im Bereich des kleinen Beckens. Die Eileiter münden in die Seitenwand der Gebärmuter. Das andere Ende des Eileiters liegt unmittelbar dem Eierstock benachbart. Am unteren Ende wird die Gebärmutter schmäler und mündet mit dem äußeren Muttermund in die Scheide. Der untere Anteil der Gebärmutter wird Zervix (Gebärmutterhals) genannt. Die Eierstöcke liegen sehr nahe, jedoch etwas hinter der Gebärmutter.

c. Gründe für eine Gebärmutterentfernung

Eine Gebärmutterentfernung kann ihnen von ihrem Frauenarzt wegen einer Reihe von Gründen empfohlen werden. Es gibt jedoch für die meisten Krankheitsbilder Alternativen zu einer Gebärmutterentfernung!

Abnorme Blutungen aus der Gebärmutter

Starke Regelblutungen (Menorrhagie) können zu einer Blutarmut (Anämie), Müdigkeit und Krankenstände führen. Eine Menorrhagie wird diagnostiziert, wenn die Regelblutung mehr als 7 Tage dauert bzw. stärker ist als normale Regelblutungen. Irreguläre Blutungen oder ein Spotting (schwache Blutung) außerhalb der Regelblutungszeit werden Metrorrhagie genannt.

Menorrhagie und Metrorrhagie werden üblicherweise zuerst mit einem Medikament (Hormonpräparat oder blutstillendes Medikament oder einer anderen chirurgische Operationstechnik als der Hysterektomie (operative Gebärmutterspiegelung) behandelt. Nur wenn diese konservativen (organerhaltenden) Therapiemaßnahmen zu keinem Erfolg führen, kann an eine Gebärmutterentfernung gedacht werden.

Myome

Myome sind gutartige Wucherungen der Gebärmuttermuskulatur, die ungefähr bei einem 1/3 aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter nachweisbar sind. Myome können während der Schwangerschaft schnell wachsen, und schrumpfen normalerweise in den Wechseljahren. Myome können jedoch sehr starke und irreguläre Blutungen aus der Gebärmutter verursachen.

Senkung bzw. Prolaps (Vorfall) der Gebärmutter

Eine Senkung oder ein Vorfall der Gebärmutter ist normalerweise das Ergebnis einer Schwächung des Bindesgewebsapparates bzw. der Muskeln im Bereich des kleinen Beckens. Dies führt dazu dass die Gebärmutter in die Scheide vorfällt. Ursachen dafür sind Geburten, genetische Faktoren, Verstopfung oder anderen "Lifestyle-Faktoren".

Erkrankungen im Bereich des Gebärmutterhalses

Eine Gebärmutterentfernung ist in machen Fällen bei Krebsvorstufen (Dysplasien) notwendig.

Endometrium-Hyperplasie

Endometrium - Hyperplasie benennt ein Zustandsbild mit unkontrolliertem Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Falls dieses Zustandsbild unbehandelt bleibt, kann sich daraus Gebärmutterkörperkrebs entwickeln. In vielen Fällen kann eine Endometrium - Hyperplasie mittels Medikamenten behandelt werden, eine Gebärmutterentfernung ist manchmal nicht zu umgehen.

Krebserkrankungen

Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses, des Gebärmutterkörpers bzw. der Eierstöcke machen in den meisten Fällen eine Gebärmutterentfernung notwendig.

Starke Nachblutung nach der Geburt (Atonie)

Eine Gebärmutterentfernung kann bei manchen Frauen unmittelbar nach der Geburt notwendig sein, um eine Blutung aus Gebärmutter, die medikamentös nicht behandelt werden kann, zu therapieren.

Chronischer Unterbauchschmerz (chronic pelvic pain)

Chronic pelvic pain kann aufgrund einer Endometriose oder Verwachsungen im kleinen Becken verursacht werden. In machen Fällen ist bei diesen Frauen eine Gebärmutterentfernung die Therapie der Wahl.

 
d. Techniken

Prinzipiell gibt es 2 Möglichkeiten eine Gebärmutterentfernung durchzuführen: Entweder man belässt den Gebärmutterhals und entfernt lediglich den Gebärmutterkörper (suprazervicale Gebärmutterentfernung) oder man entfernt sowohl Gebärmutterkörper wie auch Gebärmutterhals. Eine weitere Entscheidung vor der Operation muss bezüglich Mitentfernung der Eierstöcke getroffen werden. Wenn die Eierstöcke bei der Operation entfernt werden, muss bei manchen Frauen eine Hormonersatztherapie nach der Operation begonnen werden.

Supracervikale Gebärmutterentfernung

Bei einer "normalen" Gebärmutternentfernung mittels Bauchschnitt wird der ganze Uterus, das heißt Gebärmutterkörper und Gebärmutterhals entfernt. Es gibt seltene Indikationen bei denen eine supracervikale Gebärmutterentfernung (nur der Gebärmutterkörper) sinnvoll ist. Dies ist dann an zudenken wenn es operative technische Schwierigkeiten gibt die ganze Gebärmutter zu entfernen bzw. wenn betroffenen Frauen dies wünschen. Argumente für die Belassung des Gebärmutterhalses sind:

  1. Intaktheit der Scheide
  2. bessere sexuelle Empfindung und
  3. eine etwas kleinere Operation

Bezüglich Intaktheit der Scheide und sexueller Empfindung gibt es mehrere Studien, dass mit der Belassung des Gebärmutterhalses kein Vorteil zu erzielen ist. Die Operation ist jedoch, wenn man den Gebärmutterhals belässt, technisch deutlicher einfacher. Nachteile sind dass im belassenen Gebärmutterhals Krebserkrankungen weiterhin entstehen können bzw. dass irreguläre Blutungen auftreten können.

Mitentfernung der Eierstöcke

Die Eierstöcke können während einer Gebärmutterentfernung leicht entfernt werden, dies wird als Oophorektomie bezeichnet. Eine Entfernung der Eierstöcke ist nur in seltenen Fällen notwendig. Frauen vor dem Wechsel sollten, wenn die Eierstöcke in Ordnung erscheinen, diese nicht entfernen lassen, da die Eierstöcke die natürliche Quelle der weiblichen Geschlechtshormone sind. Durch die Gebärmutterentfernung allein kommt man nicht in den Wechsel, da die Gebärmutter keine Hormone produziert.

Bei Frauen im Wechsel wird üblicherweise bei einer Gebärmutterentfernung mittels Bauchschnitt die Eierstöcke mitentfernt, um das Risiko für die Entwicklung von Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) zu verhindern. Eine endgültige Entscheidung kann jedoch nur in einem ausführlichen Gespräch zwischen Arzt und Patientin erfolgen.

e. Hormonersatztherapie

Eine Hormonersatztherapie mit Östrogen kann Frauen empfohlen werden, bei denen die Eierstöcke mitentfernt wurden. Eine Hormonersatztherapie kann Schweißausbrüche, Nachtschweiß und einen Verlust in der Knochendichte behandeln.

f. Ablauf

Eine Gebärmutternentfernung durch Bauchschnitt in Vollnarkose dauert ungefähr 11/2 - 2 Stunden. Normalerweise erhalten Patientinnen eine Vollnarkose, in seltenen Fällen (üblicherweise bei Kontraindikationen gegen eine Vollnarkose) kann auch eine Spinalanästhesie empfohlen werden. Puls, Blutdruck, Blutverlust und Atmung werden während der Operation durch den Anästhesisten (Narkosearzt) überwacht. Nach der Operation wacht die Patientin am Operationstisch im Operationssaal auf. Danach wird die Patientin in den Aufwachraum verbracht, wo sie ungefähr 2 Stunden verbleibt.

Normalerweise wird bei einer Gebärmutterentfernung ein Blasenkatheter gesetzt, der üblicherweise 24 Stunden verbleibt. Weiters kann es notwendig sein, dass Drainagen aus dem Bauch (durch die Scheide) ausgeleitet werden um eine eventuell auftretendes Wundsekret bzw. eine Nachblutung frühzeitig zu erkennen. Der durchschnittliche stationäre Aufenthalt nach einer Gebärmutterentfernung beträgt 5-7 Tage.

g. Komplikationen

Eine Reihe von Komplikationen können bei einer Gebärmutterentfernung auftreten. Glücklicherweise ist dies nicht häufig der Fall, die meisten dieser Komplikationen können leicht behandelt werden und haben keine Langzeitschäden zur Folge.

Blutungskomplikationen

Eine verstärkte Blutung während der Operation macht in machen Fällen eine Bluttransfusion notwendig, eine Nachblutung nach der Operation kann in machen Fällen eine nochmalige Operation notwendig machen.

Infektion

Leichtes Fieber nach einer Gebärmutterentfernung ist relativ häufig und nicht immer durch eine Infektion verursacht. In weniger als 10% aller Patientinnen tritt eine behandlungswürdige Infektion auf. Diese muss mittels Antibiotika behandelt werden.

Verstopfung

Bei vielen Frauen tritt nach der Gebärmutterentfernung eine Verstopfung ein. Aus diesem Grunde werden 2 Tage nach der Operation üblicherweise ein Abführmittel verschrieben.

Blasenprobleme

Manche Frauen haben Schwierigkeiten nach der Operation zu urinieren. Aus diesem Grund wird für die ersten 24 Stunden ein Blasenkatheter gesetzt.

Thrombose (Blutgerinnsel)

Während der oder nach Operationen kann sich eine Thrombose in den Beinvenen bzw. auch in anderen Blutgefäßen entwickeln. Aus diesem Grunde werden alle Patientinnen vor bzw. in den ersten Tagen nach der Operation mit blutverdünnenden Substanzen behandelt.

Verletzung von Nachbarorganen

Die Harnblase, die Ureteren (Harnleiter) sowie der Darm befinden sich in unmittelbarer Nähe zur Gebärmutter und können während einer Gebärmutterentfernung verletzt werden. Eine dementsprechende Organverletzung passiert bei ungefähr 1% aller Patientinnen. Normalerweise wird dies während der Operation entdeckt und kann sofort therapiert werden.

Verfrühter Wechsel

Frauen nach Hysterektomie können in machen Fällen früher in die Wechseljahre kommen. Dies hat jedoch nichts mit der Regelblutung zu tun, da wie oben beschrieben die Hormone von den Eierstöcken und nicht von der Gebärmutter produziert werden. Eine mögliche Ursache könnte sein, dass der Blutfluss zu den Eierstöcken aufgrund der Gebärmutterentfernung etwas eingeschränkt ist.

h. Die Zeit nach der Operation

Üblicherweise können Patientinnen am Tag der Operation am Abend bereits trinken und Kleinigkeiten essen. Normalerweise werden Infusionen über die Vene (intravenös) während der ersten 48 Stunden nach der Operation verabreicht. "Schmerzen leiden verboten" sollte die oberste Devise nach der Operation sein. Normalerweise sollten Anti-Schmerzmittel (Analgetika) großzügig verabreicht werden. Spätestens am 1. Tag nach der Operation dürfen Patientinnen aufstehen. Danach kann der Blasenkatheter entfernt werden sowie etwaige Drainagen gezogen werden.

Folgende Empfehlungen sollten eingehalten werden

Für 4 Wochen sollte man

  • kein Vollbad nehmen,
  • nicht schwimmen gehen,
  • keine Tampons verwenden,
  • keinen Geschlechtsverkehr haben und
  • keine schwere Lasten (größer als 5kg) heben.

Die Dauer des Krankenstandes ist abhängig von den Wünschen der Patientin. Normalerweise sind in den ersten Wochen nach der Operation leichte Tätigkeiten möglich. Eine körperliche anstrengende Arbeit sollte jedoch für einige Wochen nicht aufgenommen werden.

i. Das Leben nach einer Gebärmutterentfernung

Mehrere wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass Frauen nach einer Gebärmutterentfernung mit dem Ergebnis sehr zufrieden sind. Die meisten Frauen berichten über eine Verbesserung der Beschwerden, die zur Gebärmutterentfernung geführt haben. Insbesondere bezogen auf den Geschlechtsverkehr berichten die meisten Patientinnen von einer deutlichen Verbesserung. Üblicherweise sind ältere Frauen zufriedener als jüngere Frauen.